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Schulgeschichte

50 Jahre Realschule Rottweil: 1968 - 2018

 

  Blick auf die sanierte Realschule (im Hintergrund der Neubau); Ansicht auf den "Seiteneingang" Heerstraße

 

 

Auszug aus der Festbroschüre:

Was lange währt … (2016 – 2018)

Nachdem die Entscheidung für den Erhalt der Realschule gefallen war, galt es, die Gesamtsituation auf dem Schulcampus genauer zu betrachten: Sowohl die Realschule als auch das benachbarte Droste-Hülshoff-Gymnasium litten, wie mehrfache Begehungen auch immer wieder bestätigt hatten, unter akuter Raumnot; die in dieser Zeit einsetzenden "Flüchtlingsströme" verschärften die Situation zudem.

 

Weiterhin belegte das DHG sechs Klassenzimmer im Anbau der Realschule und die Realschüler_innen ihrerseits wanderten regelmäßig ins Gebäude des Leibniz-Gymnasiums, wo neben den Technikräumen und der Küche (Ebene 0) auch fünf Klassenzimmer, der BK-Saal sowie der TW-Raum in Ebene 2 belegt wurden. Eine geradezu fragwürdige Situation, die im Hinblick auf den anstehenden neuen Bildungsplan, mit Abschlüssen auf G- und M-Niveau und entsprechender individueller Förderung, dringend geklärt werden musste. Nach etlichen Gesprächen zeigte sich, dass ein zeitnaher Neubau für das DHG unausweichlich wurde.
 
In diesem Zuge konnte dann im Vorfeld der anstehenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen am DHG auch die Raumsituation für die Realschule geklärt werden: Zum Schuljahr 2016 übernahm die Realschule die sechs Klassenzimmer im hauseigenen Anbau. Zudem wurden zwei Klassenzimmer in jeweils einen BK- und TW-Raum umgestaltet, so dass die Realschule die Ebene 2 im Leibniz-Gymnasium räumen und im Anschluss vom DHG übernommen werden konnte. Ein lang gehegter Traum ging so in Erfüllung: Die Realschule erhielt nach rund 48 Jahren erstmals ein nahezu vollständiges "eigenes" Gebäude: Nun haben alle Klassen ihr Domizil im Hauptgebäude; die Technikräume sowie die Küche verbleiben jedoch auch weiterhin an der "Außenstelle" im LG. Somit kochen die Schüler_innen weiterhin in der Schulküche an dem ursprünglich verbauten Mobiliar, das z. T. auch deren Eltern schon genutzt haben. Die Erneuerung der 1973 eingeweihten und seither nahezu unverändert genutzten Schulküche steht noch immer aus. Vielleicht "spendiert" der Schulträger der Realschule die Sanierung im Nachgang zum Jubiläum?
 
Fast zeitgleich mit der räumlichen Entscheidung zur Übernahme des Anbaus traf eine weitere erfreuliche Botschaft an der Realschule ein: Auf Grund der stetig gewachsenen erzieherischen Anforderungen in einem sich immer stärker wandelnden Umfeld hatte sich die Schule 2003 dazu entschlossen, ergänzend zum Fachunterricht das Programm Lions-Quest-Konzept "Erwachsen werden" an der Schule zu etablieren. Als erste Realschule bzw. einer von drei Schulen in Baden-Württemberg insgesamt, wurden wir nach einer umfangreichen Zertifizierung durch den Lions-Club International mit dem "Qualitätssiegel" ausgezeichnet. Das Programm begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsen werden. Es dient der Persönlichkeitsentwicklung und soll den jungen Menschen helfen, mit ihren Problemen im alltäglichen Leben fertig zu werden. Lions-Quest trägt hier in hohem Maße zur Förderung der sozialen, personalen und kommunikativen Kompetenzen bei. Dies erweitert so die Handlungsfähigkeit der jungen Menschen.
Mit diesen Inhalten unterstützt das Programm den seit dem Schuljahr 2016 eingeführten neuen Bildungsplan vortrefflich. Für die Lehrer_innen ist das Programm, das um die Bereiche "Erwachsen handeln" und "Zukunft in Vielfalt" erweitert wurde, aus dem schulischen Alltag nicht mehr wegzudenken.

 

Am 19. Juli 2018 feierte die Realschule schließlich mit einem Festakt vor rund 150 geladenen Gästen ihr 50-jähriges Bestehen. Am darauffolgenden Tag fand das große Schulfest statt, das am frühen Abend in einen Ehemaligentreff mündete. Nach knapp einjähriger Planung erlebten alle wirklich gelungene Feierlichkeiten.

 

Pressebericht(e) zum Festakt bzw. Schulfest

Auf dem Weg zu neuem Selbstbewusstsein (2012 – 2016)

Im September 2012 trat „der Neue“, der ehemalige Konrektor Andreas Kienzler, seine Stelle als dritter Rektor in der Schulgeschichte an (Auszug aus der Presseberichterstattung). Gleich das erste Schuljahr forderte ihm so einiges ab: Zunächst stand die Fremdevaluation an, bei der die Realschule im Bereich "Förderung von Methoden- und Medienkompetenz" sogar die "Exzellenzstufe" zugesprochen bekam. Hier wurden die langjährigen Bestrebungen im Hinblick auf den Einsatz von Computern im Unterricht sowie dem Konzept "PDI" (Präsentieren-Dokumentieren-Informieren) belohnt, das ein in sich geschlossenes Curriculum über die gesamten sechs Schuljahre bildet. Auch insgesamt konnte sich das Ergebnis dieser Erhebung durchaus sehen lassen.

 

Zeitgleich liefen in Rottweil seit November 2011 die Überlegungen zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule. Diese neue Schulart wurde von der seinerzeitigen Landesregierung neben den bestehenden Schularten eingerichtet – es wurde vom "Zwei-Säulen-System" gesprochen. Unter der Leitung des ersten Beigeordneten der Stadt Rottweil, Herrn Werner Guhl, gab es in den folgenden zwei Jahren zahlreiche Gespräche im eigens dafür gegründeten "Arbeitskreis Gemeinschaftsschule", an dem neben den Vertretern aller Schularten auch die Eltern von Anbeginn mit im Boot waren.

 
Nach einjähriger Vakanz konnte zum Schuljahr 2013 auch die Konrektorenstelle wiederbesetzt werden: Margit Honer, die seit 2001 als Realschullehrerin an der Realschule unterrichtete, komplettierte ab September das Schulleitungsteam. Sie wurde bereits im zweiten Durchgang der LionsQuest-Fortbildung mit dem Programm vertraut gemacht und entwickelte im Team mit Herrn Jäger und anderen die Umsetzung dieses Konzepts an der Realschule. Initiativ zeigte sie sich bei der ersten noch papiergebundenen Version des Methodentrainings. Später wurde die ursprüngliche Version von einer weiteren Gruppe zu den PDI-Tagen weiterentwickelt, die zwischenzeitlich in die Kompaktwoche mit eingebunden ist.
 
Zeitgleich ging ein weiterer, lang gehegter Wunsch der Schule in Erfüllung: Zum 1. September 2013 trat Diplom-Sozialpädagoge Frank Nebel seine Stelle als Schulsozialarbeiter an. Mit einem Zeitanteil von 50% steht er seitdem nun den Eltern, Lehrkräften und insbesondere den Schüler_innen der Realschule unterstützend zur Seite.

 

Die Diskussion um die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule in Rottweil zog sich schlussendlich bis in den April 2014 hinein:

 

 
Das Modell Gymnasium + Realschule + Werkrealschule war alsbald vom Tisch. Die Diskussion entbrannte darum, ob man die eigenständige Realschule aufgeben und gemeinsam mit der Konrad-Witz-Schule eine Gemeinschaftsschule gründen wolle. Als Zwischenschritt wäre hierbei auch zunächst die Gründung einer Verbundschule möglich gewesen. Beide Schulen konnten sich für diesen Weg nicht erwärmen. Schlussendlich wählte die Stadt Rottweil dann in ihrem Gemeinderatsbeschluss vom 3. April 2014 "die zweite Ausfahrt" im viel zitierten "Kreisverkehr". Die Konrad-Witz-Schule stellte den Antrag auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule, die Realschule würde eigenständig bleiben. Einziger Wehrmutstropfen: Künftig dürfen an der Realschule nur noch vier Klassen je Jahrgangsstufe geführt werden. Die bislang auf Grund der Überwechslerquote von den Gymnasien bzw. Werkrealschulen in der Mittelstufe gebildeten fünften Klassen müssen künftig wegfallen.

 

Dass man mit der Entscheidung zum Erhalt der Realschule richtig lag, zeigte sich in den folgenden Jahren an den Anmeldezahlen: Diese stabilisierten sich auf einem hohen Niveau. Im November 2016 bezeichnete dann der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Realschule als "eine der tragenden Säulen unseres Schulsystems".

Bewährtes bewahren, Neues gestalten (2007 – 2012)

Im September 2007 trat Andreas Kienzler seinen Dienst als stellvertretender Schulleiter an. Naturwissenschaftlich geprägt und ausgewiesener EDV-Experte, voller Ideen und "jugendlichem" Elan. Er hatte seine ersten Sporen an der Realschule in Triberg und dem Schulamt Villingen verdient. Der Zeitpunkt passte hervorragend, denn dem neuen Mitglied des Leitungsteams wurde die Aufgabe übertragen, den Ganztagesbetrieb an der Realschule zu organisieren. Durch ein Förderprogramm der Landesregierung konnte der Wunsch nach einer Mensa für die Gymnasien und die Realschule in die Tat umgesetzt werden. Leider gab es nur Fördermittel für reine Mensen, Mittel für Betreuungsräume wurden im Gegensatz zum Bundesprogramm, bei dem man nicht zum Zuge gekommen war, nicht gewährt. Und wieder war Organisationstalent gefragt, damit der Einstieg in die Ganztagsbetreuung im Spätherbst 2007 gelingen konnte, zunächst nur mit räumlichen "Bordmitteln" und personeller Unterstützung seitens der Stadt.

 

Waltraud Engeser als Stadtarchitektin und Bürgermeister Werner Guhl als Kämmerer zeichneten wesentlich für eine architektonisch gelungene Mensa verantwortlich. Als am 15. Oktober 2008 die offizielle Einweihung stattfinden konnte, waren vielleicht nicht alle zufrieden, aber für die Realschule war es ein guter Tag. Jetzt war eine wichtige Säule erstellt, um das Konzept einer guten, realschulgemäßen Ganztagsbetreuung umzusetzen. Gemeinsames Mittagessen in der Mensa, Hausaufgabenbetreuung, betreute Ruhepausen sowie spielerische und sportliche Aktivitäten kamen den GTB-Kindern zugute. Ältere Realschüler_innen, die sich innerhalb des themenorientierten Projekts "Soziales Engagement" bewährt hatten, konnten sich zum "Junior-Jugendbegleiter" qualifizieren und wurden dann in der Hausaufgabenhilfe eingesetzt. Kein Wunder, dass der Zulauf zum Ganztagesbetrieb bei den Jüngeren schnell anwuchs und kleinere Baumaßnahmen notwendig wurden. Auch hier mühte sich die Stadt nach Kräften, die benötigten Finanzmittel zu beschaffen. Ebenso wurden Erzieherinnen zur Deckung des Personalbedarfs eingestellt.
 

 

Der Verwaltungsbereich der Schule harrte auch noch einer dringend erforderlichen Umgestaltung. Das Stundenplanteam sollte endlich besser untergebracht werden und wurde aus einem fensterlosen Kämmerchen in das Konrektorat umgesiedelt. Das Rektorat wurde zum Konrektorat mit Präsenzarchiv umgebaut, das Rektorat fand seinen neuen Platz im ehemaligen Elternsprechzimmer. In diesem Zusammenhang wurde dann ein ehemaliger Unterrichtsraum zum neuen Elternsprechzimmer sowie zu einem komplett ausgestatteten Computerraum für Schüler_innen umgewidmet. Auf diese Weise hatten nun einzelne Schüler_innen als auch Gruppen die Möglichkeit, Referate und Gruppenprüfungen (z. B. auch im Rahmen der Abschlussprüfungen) außerhalb der Unterrichtszeiten in freier Zeiteinteilung vorzubereiten. 2009 konnte dies als Schülerprojekt, unterstützt durch Fachkräfte, umgesetzt werden.
 
Im Juli 2012 wurde Realschulrektor Johannes Jäger in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. In seiner letzten offiziellen Rede in der bis auf den letzten Platz gefüllten Mensa "beklagte" er, dass es ihm in 20 Schulleiterjahren an der Realschule Rottweil leider nicht gelungen war, Stadtverwaltung und Gemeinderat eine neue Schulküche abzutrotzen. So blieben dem neuen Schulleiter, Realschulrektor Andreas Kienzler, letztlich neben vielen anderen Gestaltungsmöglichkeiten oder auch -notwendigkeiten zwei große Themen: Eine moderne und funktionale Schulküche sowie die alleinige Nutzung des Realschulanbaus. „Gut Ding“ will eben doch Weile haben!

Die Realschule putzt sich raus (1998 – 2007)

Zahlreiche kleinere, aber auch größere Umbaumaßnahmen im Hauptgebäude verbesserten die pädagogischen und administrativen Möglichkeiten der Schule. Nicht zuletzt wurde auch der Lehrerbereich freundlicher gestaltet und angemessener eingerichtet, so befand sich beispielsweise zur Anfangszeit das Sekretariat noch auf dem Flur, abgegrenzt lediglich durch einen schlichten Holzverschlag.

 

In den folgenden Jahren wurden dann größere Baumaßnahmen notwendig: Ein undichtes Dach, marode Holzfenster und eine schadhafte Fassade; die Sanitäranlagen waren stark sanierungsbedürftig, die EDV-Infrastruktur stand auf der Agenda, der für Realschulen wichtige Technikbereich musste den neuen Herausforderungen angepasst werden, was 2004 vortrefflich gelang. Auch die über 30 Jahre alte Schulküche solle dringendst ersetzt werden, was letztlich bis heute noch nicht realisiert wurde.

 


 

 
Die Stadt nahm immer wieder Gelder in die Hand und setzte wichtige Maßnahmen Zug um Zug um. All dies geschah überwiegend während des laufenden Schulbetriebs, wo irgend möglich, in Ferienabschnitten. Stadtarchitektin Waltraud Engeser war bei allen Baumaßnahmen unsere verlässliche und engagierte Partnerin.
 
Was lange währt, wird irgendwann einigermaßen gut. Bei allen Einschränkungen musste die Realschule weiterhin darum kämpfen, die Viereinhalbzügigkeit begrenzen zu können.
 

 

Realschulkonrektor Walter Looser-Heidger, Mann der ersten Stunde und Organisationsspezialist im Leitungsteam, wurde im Juli 2001 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ihm folgte Alfons Bulach als Realschulkonrektor nach. Alfons Bulach war im Jahr 1975 Mitglied des Kollegiums der Realschule Rottweil geworden und hatte sich unter anderem große Verdienste um die Berufsorientierung für die Schüler_innen erworben, eine der wichtigsten Säulen des realschulspezifischen Bildungskanons. Prädestiniert war er dafür durch seinen eigenen Werdegang, der über Ausbildung und Berufstätigkeit als Schriftsetzer, berufsbegleitender Abendrealschule und anschließender Vorbereitung auf die Eignungsprüfung an der Pädagogischen Hochschule Weingarten zum Lehramtsstudium führte. Nach erfolgreichem ersten Staatsexamen als Grund- und Hauptschullehrer schloss sich das wissenschaftliche Aufbaustudium am Reallehrerinstitut an, wo er 1975 das zweite Staatsexamen ablegte. Alfons Bulach wurde schließlich im Juli 2007 ebenfalls in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Bis zum Eintritt in den Ruhestand wirkte er u. a. als "Kämmerer" und Mitgestalter der Unterrichtsorganisation. Ihm war es auch noch vergönnt gewesen, die Umsetzung des Bildungsplans 2004 mitzugestalten.

Mobilität weiterhin festgeschrieben (1993 – 1998)

Im Grußwort der Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum hieß der letzte Satz „Wir brauchen die Fürsprecher in den kommenden Jahren mehr denn je!“. Der damalige Verfasser musste wahrlich prophetische Gaben besessen haben – denn wie sehr er Recht hatte, sollte sich in den nächsten Jahren immer wieder bewahrheiten!

 

   

 

Der damals "neue" Rektor der Realschule musste bei seiner offiziellen Amtseinsetzung im Herbst 1992, neben vielen freundlichen Willkommensgrüßen, von OB Dr. Arnold leider auch den Hinweis verdauen, dass "in den nächsten zehn Jahren" an dringende bauliche Verbesserungen für die Realschule nicht zu denken sei. Die längst nun auch in Rottweil etablierte Schule, mit der im weiten Umkreis größten Schülerzahl in der Sekundarstufe I, sollte demnach auf vermutlich unabsehbare Zeit in nicht mehr angemessenen Räumlichkeiten ihren Auftrag erfüllen. Der tägliche "Pendelverkehr" für Lehrkräfte und Schüler_innen zwischen dem Hauptgebäude und der Außenstelle im hauptsächlich vom LG benutzten Gebäude kostete "nur" Zeit und Nerven, brachte Unruhe und Probleme mit Wetterkapriolen. Der vom ehemaligen Mädchengymnasium (DHG) geerbte Pavillon hatte es in anderer Hinsicht in sich: Das Dach permanent undicht, das Betonfundament bröckelte – irgendwann würde der Boden den Belastungen nicht mehr standhalten können. Die Weiterentwicklung der Schule sollte unter diesen Voraussetzungen gelingen? Eigentlich kaum vorstellbar.
 
Und doch ließen sich Lehrkräfte und Elternschaft nicht entmutigen. Stetig wuchs die Schülerzahl an, nicht zuletzt auch durch vermehrte Übergänge von den Gymnasien sowie einigen Schüler_innen der Hauptschulen. Der Haken dabei: Teilweise mussten weitere Parallelklassen gebildet werden, wofür jedoch keine Raumkapazitäten vorhanden waren.
 
Man konnte es beinahe als glückliche Fügung empfinden, dass das benachbarte DHG ebenfalls unter großer Raumnot litt und schließlich Räume im ehemaligen Aufbaugymnasium nutzen musste. Unter diesen Umständen war seitens der Stadt nun doch zügiges Handeln angesagt. Jetzt nahm die Entwicklung langsam Fahrt auf und erste Überlegungen zu möglichen Problemlösungen wurden angestellt. Finanzbürgermeister Wolfgang Nessler, zu dessen Aufgabenbereich die Anliegen der verschiedenen städtischen Schulen gehörte, holte umfangreiche Daten der beiden Schulen ein und erarbeitete zusammen mit seiner Mitarbeiterin Juliane Schweizer aufwändige Statistiken und Prognosen. Der damalige Präsident des Oberschulamts Freiburg, Bruno Prändl, besuchte im Februar 1994 die Realschule. Mindestens zwei positive Ergebnisse hatte der Besuch: OB Dr. Arnold wich von seinem "Nein" im Hinblick auf zu schaffenden Schulraum ab, zudem konnte die Realschule erstmalig eine Lehrerin zur Ausbildung als Beratungslehrerin schicken und damit wurde der Grundstein für die heutige pädagogische Arbeit gelegt.
 
Am 24.11.1994 berieten Vertreter des Oberschulamts Freiburg mit der Spitze der Stadtverwaltung und den Schulleitern der Rottweiler Gymnasien sowie der Realschule die Raumsituation im Gesamtüberblick. In seiner Stellungnahme vom Dezember 1994 stellte das Oberschulamt für die Realschule einen Bedarf von acht Klassenzimmern und zwei Fachräumen fest. Dabei war davon ausgegangen worden, dass der baufällige Pavillon abgerissen und die Realschule vierzügig bleiben würde. Der Pavillon verschwand später, doch die Vierzügigkeit war ein frommer Wunsch: Die Realschule musste regelmäßig Schüler_innen abweisen, um nicht über die Maßen zu wachsen und wenigstens viereinhalbzügig (27 Klassen) zu bleiben.
 
Die unermüdlichen Bemühungen aller Akteure – Schulleitungen, Elternvertreter, Lehrerkollegien, Stadtverwaltung und Gemeinderat – auf den verschiedensten Ebenen brachten eine ungeahnte Dynamik. Eine Besprechung jagte die nächste, schriftliche Anfragen und Stellungnahmen ließen die Köpfe rauchen sowie Fax-Geräte glühen. Und so verwundert es nicht, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 10. Mai 1995 den Planungsauftrag an die Architekten Broghammer, Jana und Wohlleber "für die Planung von zehn weiteren Schulräumen und zwei Fachräumen für die Realschule sowie die Gymnasien" erteilte. Ein erster wichtiger Erfolg und im Laufe der diversen Planungsschritte galt es nunmehr, pädagogische, architektonische, schulorganisatorische und finanzielle Belange einigermaßen unter einen Hut zu bringen. Am Ende entstand der Anbau an die Realschule und zeitgleich wurde sie "barrierefrei". Wie man "nebenher" die Umstellung auf den neuen Bildungsplan 1994 bewältigen konnte, ist eine kleine Meisterleistung.

 

 

Ab Mai 1997 ging es dann richtig los: Zunächst mussten im Untergeschoss der Realschule die neuen naturwissenschaftlichen Fachräume eingebaut werden und der Musiksaal in das Untergeschoss umziehen. Dies alles geschah während des laufenden Unterrichtsbetriebs und so konnten die Realschüler täglich hautnah den Baufortschritt erleben und zu Hause davon berichten. In den Sommerferien wurde der Pavillon abgebrochen und der Schulhof großflächig abgegraben.

 

 

Parallel zum Baufortschritt musste nun geklärt werden, in welchem Umfang die beiden Schulen die neuen Schulräume werden nutzen können. Nach Ansicht aller an der Realschule Lernenden und Tätigen wäre es aus mehreren Gründen sinnvoll gewesen, der Realschule den gesamten Anbau zu überlassen und dafür die Räume der Ebene 2 im LG frei zu geben. Diese hätten sich bestens für die angekündigten zahlreichen gemeinsamen Oberstufenkurse der drei Gymnasien geeignet. Der Zuschussantrag der Stadt basierte ursprünglich auf einer Planung, bei der DHG und RS je sechs der insgesamt zwölf neuen Räume für allgemeinen Unterricht erhalten sollten. Dahinter steckte die sinnvolle Überlegung, schneller in das entsprechende Förderprogramm aufgenommen zu werden.
 
Wenige Tage vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung stieß der Finanzbürgermeister auf das Unfassbare. Die Zuschussrichtlinien des Landes Baden-Württemberg für die Schulbauförderung legten seinerzeit fest, dass normale Unterrichtsräume ohne besondere Ausstattung bei Gymnasien höher bezuschusst werden als an Haupt- oder Realschulen. Hätten Stadtverwaltung und Gemeinderat dem Anliegen der Realschule Rechnung getragen, hätte die Stadt 242.000 DM weniger Fördergelder erhalten. Zum Jahresbeginn 1999 konnten dann endlich einige moderne Räume, ein schöner Eingangsbereich, ein großzügiger Musiksaal, angemessene Fachräume für Chemie, Biologie und Physik und ein kleiner überdeckter Pausenbereich von der Realschule genutzt werden. Nicht zu vergessen die schöne Schülerbücherei und der moderne Computerraum.

 

 

Entgegen immer wieder geäußerten Behauptungen, hatte die Realschule somit keinen zusätzlichen Raum bekommen, die Wanderungen zwischen Hauptgebäude inklusive Anbau und Außenstelle blieben bestehen, zudem hatte man einen Teil eines Gymnasiums als "Mitbewohner".
 

Lernziel Mobilität festgeschrieben (1987 - 1993)

Seit 1987 galt es, aus der gegebenen und zweifellos verbesserten Raumsituation das Beste zu machen. Die Fünftklässler wurden zunächst im LG untergebracht. Dort konnten die neuen Schüler_innen ungestört zu einer neuen Klassengemeinschaft zusammenwachsen.

 

 

Die Zahl der Lehrkräfte, die an diesen Klassen unterrichteten, wurde möglichst klein gehalten. Das verlangte natürlich eine große Bereitschaft zu fachfremdem Unterricht. Mit ausgefuchsten organisatorischen Kniffen wurde der Zeitverlust durch unnötige Wege im Himmelreichwäldchen möglichst klein gehalten. Dennoch, Schüler_innen und Lehrkräfte waren viel unterwegs, Zeit ging verloren. Die Fünfer brauchten nach dem Schuljahreswechsel und dem Umzug ins Hauptgebäude eine längere Zeit der Eingewöhnung. Die Erfüllung der Aufsichtspficht war erheblich schwieriger. Die Belastung durch fachfremden Unterricht war groß.Der Informationsfuss klappte nicht immer. Es blieb der Wunsch der Eltern, der Kinder und der Lehrkräfte nach einer Schule unter einem Dach.

 


 

Leider gibt es für das Schuljahr 1990/1991 auch Trauriges zu berichten: Realschulrektor Werner Koch erkrankte so sehr, dass er um seine Entlassung aus dem aktiven Dienst bitten musste. Im Schuljahr 1991/1992 übernahm Realschulkonrektor Walter Looser-Heidger kommissarisch die Schulleitung.
 
Im September 1992 bekam die Realschule einen neuen Rektor: Johannes Jäger übernahm diese Aufgabe mit 43 Jahren. Er studierte an der PH Weingarten; anschließend absolvierte er den einjährigen wissenschaftlichen Vorbereitungsdienst. 1975 legte er seine Zweite Dienstprüfung ab. Seit August 1975 war er im Schuldienst, zuerst in Albstadt-Ebingen, danach bis 1988 als Konrektor und seit September 1988 als Rektor an der Realschule in Stetten am kalten Markt. Jägers Amtsantritt am Ende der ersten 25 Jahre Realschule Rottweil waren ein gutes Signal in die Zukunft unserer Schule.

Eine fürchterliche Vorstellung (1981 - 1987)

Im Oktober 1980 hatte das Oberschulamt Freiburg ein Raumprogramm vorgelegt, das für die Realschule einen zusätzlichen Raumbedarf von rund 660 qm feststellte. Für einen Erweiterungsbau müsste der Pavillon weichen, dadurch entstünde ein weiterer Fehlbedarf von 470 qm. Ein solcher Erweiterungsbau hätte nach den damaligen Schätzungen etwa fünf Millionen DM gekostet. OB Dr. Regelmann gab zu, dass die Realschule am eingeschränktesten sei, Stadtrat Vogt meinte, auch das letzte Stiefkind der Stadt sei jetzt zu legitimieren. Alle waren sich einig, der Erweiterungsbau musste unbedingt kommen! Und man müsse, wenn irgend möglich, damit vor 1984 beginnen.

 

 

Diesen Ambitionen beugte freilich der Stadtkämmerer vor, er erinnerte an die schlechte finanzielle Lage der Stadt. Im Verwaltungs- bericht der großen Kreisstadt von 1981 heißt es dazu lakonisch: "Nach der Finanzplanung erscheint ein Baubeginn vor 1984 jedoch nicht finanzierbar." Diese Bemerkung versteht man umso besser, wenn man bedenkt, daß im Januar 1981 das Droste-Hülshoff-Gymnasium in seinen Anbau einziehen konnte und daß im gleichen Jahr der Neubau der Römerschule fertig geworden war.
 
Als in anderen Schulen die Schülerzahlen anfingen kleiner zu werden, erlebte die Realschule einen Rekord: 892 Schülerinnen und Schüler in 30 Klassen zum Schuljahresbeginn 1981/1982, 50 Kinder mehr als im Vorjahr. Damit hatte niemand gerechnet. So viele Kinder unterzubringen bereitete erhebliche Schwierigkeiten. Nur 16 Klassen hatten ein eigenes Zimmer, ab Klasse 7 wurde gewandert. Ein erheblicher Teil des Fachunterrichts musste in den Klassenzimmern erteilt werden, einzelne Gruppen mußten im Arzt- und Elternsprechzimmer und im Werkraum unterrichtet werden. Die Sekretärinnen erledigten ihre Arbeit auf dem Flur. Rektor Koch wurde einmal in einem Anflug von Galgenhumor gefragt, ob denn wenigstens die Toiletten vom Unterricht frei seien. Die Realschule platzte aus allen Nähten, jeder Quadratmeter musste genutzt werden.
 
Am 29. April 1981 stimmte der Gemeinderat dem Raumprogramm des Oberschulamts Freiburg einstimmig zu. Acht renommierte Architekturbüros wurden am 13. Juli 1982 um ein Gestaltungsgutachten für die Erweiterung der Realschule gebeten. Leider zog die Stadt ihren Auftrag am 6.12.1982 wieder zurück. Sie begründete dies mit der sich rapide verschlechternden finanziellen Lage der Stadt und damit, dass ein neues Gespräch über ein Raumprogramm mit dem Oberschulamt Freiburg geführt werden müsse.

 

 

Die neuesten Erhebungen über die Entwicklung der Schülerzahlen, die einen Rückgang erwarten ließen, führten bei der Stadtverwaltung zu der Überlegung, statt eines Erweiterungsbaus andere Lösungen für die Raumprobleme der Realschule zu suchen. Sie stellte, ohne dass sie eine Entscheidung durch den Gemeinderat herbeigeführt hätte, keinen Antrag auf Zuschuß durch das Land und ließ damit ihr Zögern in dieser Sache erkennen. Sie rechnete mit freiwerdenden Räumen vor allem im Leibniz-Gymnasium. Sie wollte sehr genau prüfen, ob man sich einen Neubau leisten könne. Im November 1983 war jedenfalls klar, dass ein Erweiterungsbau für die Realschule in weite Ferne rückte. Enttäuschung und auch Empörung machte sich breit. Die Stadtverwaltung musste sich den Vorwurf gefallen lassen, der Realschule längst überfällige Verbesserungen zu verwehren, die in anderen Schulbereichen großzügig  geschaffen worden waren. Für Rektor Koch und sein Lehrerkollegium war es eine "fürchterliche Vorstellung", dass ihre Schule nun möglicherweise auf mehrere Gebäude verteilt werden sollte. Damit werde die  Einheit der Schule zerstört, die didaktische und pädagogische Arbeit erheblich behindert.
 
Für die Realschule war das ganze Jahr 1984 geprägt vom Kampf seines Schulleiters um den Erweiterungsbau. Er fragte: "Sind wir nach LG- Neubau, nach AMG-Sanierung, nach DHG-Anbau, nach dem Neubau Römerschule die letzten? Sind wir Stiefkind?" Er argumentierte bei den Gemeinderatsfraktionen, er trat an Schulamt und Oberschulamt Freiburg heran, er versäumte es auch nicht, die Probleme seiner Schule den Kandidaten zur anstehenden Oberbürgermeisterwahl vorzutragen.

 
Der Gesamtelternbeirat schließlich unterstützte sein Anliegen durch eine Resolution an die Stadtverwaltung. Aber 1985 wurde endgültig deutlich, dass es keinen Anbau geben werde. In einem ersten Schritt wurde untersucht, ob die Raumprobleme der Realschule durch eine Verlagerung von Klassen in freiwerdende Räume des Leibniz-Gymnasiums gelöst werden könnte. Die beiden Schulleiter wurden um Stellungnahmen gebeten. Aber in diesem Jahr fiel keine Entscheidung. 1986 beschloss der Gemeinderat: Das Leibniz-Gymnasium erhält einen zweiten Zugang über eine Außentreppe. Für die Realschule wird ein kompakter separater Bereich vom Gymnasium abgetrennt; er umfasst vier Klassenzimmer, zwei Fachräume und ein Lehrerzimmer. Dieser Teil kann dann auch über die Außentreppe erreicht werden. Im Hauptgebäude der Realschule werden strukturelle Verbesserungen vorgenommen: Vergrößerung des Lehrerzimmers, Neugestaltung des Verwaltungsbereiches, neues Lehrmittelzimmer, neuer Musiksaal, Auswärtigenzimmer, Schülerbücherei, Informatikraum, Fotolabor und Archiv in der "Heizung".
 

 

Im Herbst 1986 waren die Planungen fertig und unmittelbar danach begannen die Bauarbeiten. Schon mit Beginn des Schuljahres 1987/1988 konnten alle neuen Räume benützt werden. 1988 wurde auch das Treppenhaus mit Aufzug vor dem Leibniz-Gymnasium fertig, die Realschule erhielt damit zu ihren Räumen im Leibniz-Gymnasium einen separaten Zugang.

Stürmische Entwicklung (1968 - 1980)

Der 9. September 1968 war ein besonderer Tag in der Geschichte der Stadt Rottweil: Die neue Realschule nahm ihre Arbeit auf. 139 Schülerinnen und Schüler (79 Mädchen und 60 Jungen), aufgeteilt in vier Klassen, zogen mit vier Lehrern in zwei Pavillonbauten der Konrad-Witz-Schule ein.

 

 

Die Kinder kamen etwa zur Hälfte aus Rottweil, die anderen aus Harthausen, Epfendorf, Herrenzimmern, Talhausen, Irslingen, Dunningen, Dietingen, Neukirch, Villingendorf, Lackendorf, Zimmern, Flözlingen, Göllsdorf, Horgen, Lauffen und Neufra. Schon jetzt zeigte sich, dass die Einrichtung der neuen Schule gerechtfertigt war! Die ersten vier Lehrer waren Herr Looser, Frau Raff, Frau Bulling und Herr Belikan.

 
Zum Schuljahresbeginn 1968 konnte auch das Leibniz-Gymnasium die neuen Räume im Erweiterungsbau an der Heerstraße beziehen. Aber die zehn zusätzlichen Klassenzimmer zusammen mit zwei Fachräumen konnten die Raumnot des LG nur lindern und nicht beheben. Und dass die Realschule nicht zweizügig geführt werden konnte, war nun auch klar. Der Gemeinderat beschloss daher in zwei Sitzungen im September und Oktober 1968, einen Erweiterungsbau in Fertigbauweise für das Leibniz-Gymnasium zu erstellen. Das Bauvolumen sollte 24 Klassenzimmer, einen Fachraum, Lehrerzimmer, Rektorat und dazu entsprechende Nebenräume umfassen. Die neue Schule sollte ihren Platz finden zwischen der Heerstraße, dem heutigen DHG, dem Himmelreichwäldchen und der "Franzosenschule". In ihr sollte nach den damaligen Plänen die Realschule ein vorläufiges Domizil finden. Den Zuschlag für den Bau erhielt die Firma Karl Kübler AG, Stuttgart. Als Termin für die Fertigstellung war der August 1969 vorgesehen. 

 

Tatsächlich wurde dieser Neubau zum Schuljahresbeginn 1969 so weit fertig, dass die Klassen der Realschule - es waren jetzt schon sieben mit zusammen 266 Schülern -‚ des Leibniz-Gymnasiums und des Droste-Hülshoff-Gymnasiums einziehen konnten. Lediglich im Untergeschoss, das in herkömmlicher Weise erstellt werden musste, wurde noch gebaut. Zum Werken mussten die Schüler bis März 1971 hinüber in die Konrad- Witz-Schule wandern. In den Klassenzimmern fehlten während der ersten Wochen die großen Tafeln, aber schlimmer war: Es fehlte im ganzen Haus die Pausenklingel! Das Lehrerzimmer wurde von den Lehrern der drei Schulen gemeinsam benutzt. Es ist anzumerken, dass mit Beginn dieses Schuljahres das Droste-Hülshoff-Gymnasium neusprachliches Gymnasium wurde und nun von Jungen und Mädchen gemeinsam besucht wurde. Noch 1967/68 waren die Mädchen an diesem Gymnasium ganz unter sich.
 

Zu Beginn des Schuljahres 1970/71 erhielt die Realschule - sie war jetzt auf 360 Schüler in drei Jahrgängen angewachsen - ihren ersten Rektor. Mit Wirkung vom 1. August 1970 wurde Werner Koch, 34 Jahre alt, zum neuen Schulleiter ernannt. Diese Aufgabe hatte bis dahin kommissarisch Walter Looser erfüllt.

 

 

Werner Koch kam von der Hermann-Hesse-Realschule in Reutlingen. Er hatte an der PH in Weingarten und anschließend an der UNI Tübingen und Berlin studiert. Nach siebenjähriger beruflicher Tätigkeit in Tuttlingen und Reutlingen übernahm er ein Amt, in dem ihm, wie sich später herausstellte, schwere Belastungen aufgebürdet wurden.
 
Die Realschule setzte ihre stürmische Entwicklung fort. 1971 startete sie mit 482 Schülern in 15 Klassen, 1973 mit 790 Schülern in 22 Klassen ins neue Schuljahr. Die Erstlinge des Jahres 1968 besuchten nun das 10. Schuljahr und bereiteten sich auf die Abschlußprüfung für Realschulen vor: Die Schule war komplett. Inzwischen hafte sie das Schulgebäude, in dem sie eigentlich nur vorübergehend hätte untergebracht werden sollen, vollständig "okkupiert". Aber die Entwicklung war noch nicht zu Ende. Im zehnten Jahr nach ihrer Einführung wurde sie von 874 Schülern in 29 Klassen besucht, 1977/1978 gab es sechs achte Klassen! Alle Prognosen über die Entwicklung der Schülerzahlen und der Zahl der Klassen waren von Jahr zu Jahr von der Wirklichkeit überholt worden.
 
1972 knüpfte der Gemeinderat an die Schulbaukonzeption von 1967 an. Aus diesem Konzept ist besonders der Plan für ein 33-klassiges mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium auf der Bruderschaftshöhe westlich vom Himmelreichwäldchen hervorzuheben. Im Mai 1972 wurde für dieses Schulzentrum ein Wettbewerb ausgelobt. Im Dezember 1973 wurden die Gewerke zum zweiten Mal ausgeschrieben, im April 1974 begann man mit dem Bau, am 8. August 1975 konnte der Unterricht aufgenommen werden. Das Leibniz-Gymnasium hatte nun ein neues Zuhause gefunden, in seine bisherigen Räume konnte das Droste-Hülshoff-Gymnasium einziehen.
Die Realschule - zu diesem Zeitpunkt mit 806 Schülerinnen und Schülern in 25 Klassen - erhielt in dem neuen Gebäude Fachräume für Bildende Kunst, Textiles Werken und für den Werkunterricht und außerdem eine eigene Schulküche mit Lehrraum. Werner Koch konstatierte damals:
 
"Die Aufbauphase ... ist abgeschlossen; die Realschule Rottweil hat ihren festen Platz im Gefüge der Schulstadt Rottweil eingenommen." Aber trotz aller Freude und Erleichterung wusste er auch, dass weiter Klassenzimmer fehlten und damit wieder Klassen würden wandern müssen. Die Raumnöte der Realschule! Es gab einen Lichtblick: Das Droste-Hülshoff-Gymnasium würde bald seinen Pavillon abgeben können. Diese Hoffnung erfüllte sich im Frühjahr 1976; der DHG-Pavillon wurde an seine neue Stelle vor das Nordende des Realschulgebäudes gesetzt.

Mutige Entscheidung (1963 - 1969)

Die Gründung der Realschule Rottweil fiel in eine Zeit, als über die Bildungseinrichtungen in unserer Republik, in unserem Land und natürlich auch in Rottweil heftig diskutiert wurde. Aus der Volksschule waren Grundschulen und Hauptschulen mit A- und B-Zug geworden.

Die Christliche Gemeinschaftsschule sollte die Regelschule auch in Südwürttemberg-Hohenzollern werden. Daraus ergab sich die Möglichkeit der „Schule in freier Trägerschaft“, die Maximilian-Kolbe-Schule wurde ins Leben gerufen.

 

Rings um Rottweil entstanden in den Landgemeinden Nachbarschaftsschulen. Die Neugliederung der Gymnasien stand an, zum altsprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium sollte ein neusprachliches hinzukommen. War da noch Platz für ein Mädchengymnasium?

 

Der Schulentwicklungsplan aus dieser Zeit sah auch für Rottweil die Einrichtung einer Realschule vor. Diese Schulart hatte sich landesweit einen festen Platz im dreigliedrigen Schulsystem erobert. Besonders heftig stritt man über den Bildungs-Notstand, den man nun energisch angehen müsse. In der Folge wollten immer mehr Kinder nach der Grundschule in die Gymnasien und später auch in die Realschule überwechseln. Gleichzeitig strebte man kleinere Klassen an, so dass der Bedarf für zusätzlichen Schulraum in allen Schulen beängstigend anwuchs. Die Schulstadt Rottweil geriet in arge Bedrängnis.

 

Darüber hinaus meldete sich 1964 die Oberpostdirektion Tübingen mit der Ankündigung, sie wolle 1969 mit dem Neubau eines Postgebäudes beginnen. Wohin mit dem Droste-Hülshoff-Gymnasium, das außerdem aus allen Nähten platzte? Im Frühjahr 1964 stellte die SPD-Rathausfraktion den Antrag, die Einrichtung und den Bau einer "Mittelschule" in Rottweil umgehend vorzubereiten. Schwenningen hatte schon seit 1961 eine Realschule, 1963 war Schramberg mit seiner Realschule gestartet.

 

Damit wurde die erste Seite für ein neues Kapitel der Schulgeschichte Rottweils aufgeschlagen. Der Leiter des Staatlichen Schulamtes Rottweil, OSCHR Wirth, teilte Herrn OB Dr. Regelmann 1965 mit, dass im neuen Schulentwicklungsplan (veröffentlicht am 10. Juli 1965) für Rottweil eine Realschule vorgeschlagen werde und bat um die grundsätzliche Zustimmung der Stadt. Im Oktober 1965 stellte der Gemeinderat die Notwendigkeit einer solchen Schule in Rottweil fest und sprach sich einstimmig für eine entsprechende Planung aus. Aber schon in dieser Debatte wurde deutlich, dass die Realisierung der Stadt große Schwierigkeiten bereiten werde. Die Zahl der Antworten auf die Frage, wo die Realschule wenigstens in den ersten Jahren unterzubringen sei, illustriert das sehr deutlich. Da war die Rede vom frei werdenden Flurbereinigungsamt (1965), von einem in Fertigbauweise zu erstellenden Pavillon bei der  Konrad-Witz-Schule (1966), vom Start in der "Franzosenschule" mit anschließender Unterbringung in einem noch zu erstellenden Anbau entweder an die Konrad-Witz-Schule oder ans Albertus-Magnus-Gymnasium und sogar über einen Neubau für die Schule wurde nachgedacht (1967).

 

Am 20. Dezember 1967 billigte der Gemeinderat nach eingehender Debatte einstimmig den Antrag an die zuständigen staatlichen Stellen, die für die Bildung der Realschule erforderliche Genehmigung zu erteilen. Die Schule solle zunächst möglichst zweiklassig geführt werden und ab dem Schuljahr 1968/1969 mit dem Unterricht beginnen.

 

Im Januar 1968 wurden die Raumpläne des Jahres 1967 wieder verworfen: Die Schüler der Konrad-Witz-Schule sollten "etwas zusammenrücken" und so den ersten Klassen der Realschule Platz in ihrem Haus machen. Im Juli 1968 wurde klar, dass auch dieser Plan korrigiert werden musste: An einen Start mit zwei Klassen war nicht zu denken, 127 Schüler hatten sich angemeldet (139 wurden es schließlich). Die Stadt plante nun, bei der Konrad-Witz-Schule eine Schulbaracke für zwei Klassen zu errichten. Der Realschule waren die Raumnöte in die Wiege gelegt!

 

Nicht minder problematisch stellte sich die Finanzierung der neuen Schule dar, vor allem im Hinblick auf die großen Anforderungen der anderen Schulen in Rottweil. Man musste davon ausgehen, dass ein guter Teil der Mittelschüler aus den umliegenden Gemeinden kommen werde. Die Stadt erfüllte schon als Träger der drei Gymnasien eine Funktion, die ihr die Stellung als Zentralort abverlangte. Die alleinige Trägerschaft auch noch der Realschule musste sie über Gebühr belasten. Bürgermeister Dr. Regelmann äußerte deshalb seit Sommer 1966 gegenüber den entsprechenden Bürgermeisterämtern den Wunsch nach einer Trägerschaft durch einen Mittelschulverband. In der Folge stellte sich heraus, dass die angesprochenen Gemeinden das Anliegen Rottweils zwar verstanden und akzeptierten, dass sie sich aber angesichts der eigenen schlechten Haushaltslage nicht zu Investitionshilfen entschließen konnten. Im Dezember 1967 war in dieser Sache noch kein konkretes Ergebnis erzielt worden. Im Juli 1968 lehnten die Gemeinden endgültig den Beitritt zu dem gewünschten Zweckverband ab. Sie boten aber an, auf vier Jahre für jeden Schüler, der aus ihren Orten die Realschule in Rottweil besuchen wird, einen jährlichen Fixpreis von 75 DM zu zahlen.

 

Aus heutiger Sicht muss man die Entscheidung des Gemeinderates vom 20.12.1967 nicht nur als einen überfälligen, sondern auch als einen sehr mutigen Schrift bezeichnen.

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